Die Geschichte vom Einrad, Einradhockey und RADLOS



-Vom Laufrad zum Fahrrad


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  • In Bayern wird das Rädern als Bestrafung abgeschafft. [154]

  • Carl v. Drais führt in Karlsruhe einen vierrädrigen „Wagen ohne Pferde“ vor, der über eine Kurbelwelle angetrieben wird und meldet ihn zum Patent an. [31]



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  • Für drei- und vierrädrige Wagen wird ein Stangenantrieb entwickelt: Tretkurbeln an der Vorderradachse führen mit Stangen die Kraft auf die Hinterradkurbeln (z.B. von Franz Kurtz 1847). Das System wird später an den zweirädrigen Draisinen übernommen. Bei den drei- und vierrädrigen kann es sich nicht durchsetzen, weil es zuviel Kraft benötigt [105]. Aber auch bei den Zweirädern kommt es kaum über einige Experimente hinaus, denn schon bald darauf kommen direkte Pedalantriebe auf.



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  • Der Breslauer Architekt Carl Ferdinand Langhans konstruiert den Tretroller. Er hat (noch) zwei Hinterräder, die deutlich größer sind, als das Vorderrad. [263]

  • Carl v. Drais fährt mit seiner „Fahrmaschine ohne Pferd“ von Mannheim nach Schwetzingen, um die Alltagstauglichkeit unter Beweis zu stellen. Statt der sonst per Pferd benötigten vier, benötigt er nur eine Stunde.
    Das „Badwochenblatt“ berichtet darüber und beschreibt, dass die Idee der Fortbewegung dem Schlittschuhlaufen entnommen sei, mit einem Sitz auf Rädern.
    1996 wird die These aufgestellt, dass es mit dem „Jahr ohne Sommer“ 1816, in Folge des Vulkanausbruchs von Tambora 1815, Ernteausfälle gab und damit die Versorgung von Pferden so teuer wurde, dass die wenigsten sich welche leisten konnten, bzw. verspeist haben. Ein alternatives Fortbewegungsmittel mußte gefunden werden. Ob der Mangel an Pferden die Erfindung der Laufmaschine nach sich zog, oder nur die Verbreitung begünstigte, wird in den 2000ern heftig diskutiert.
    Carl v. Drais wird allgemeinhin als der Erfinder des Fahrrades betrachtet. [31][B121]
    Ich empfehle hierzu die Artikel auf Wikipedia: Jahr ohne Sommer, Tambora - Eruption von 1815



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  • Der badische Forstmeister Carl v. Drais erhält das Patent für seine Draisine (1817), einem Vorläufer des Einrades. Er versucht mit seiner Erfindung Geld zu verdienen, indem er in Zeitungen von den Vorzügen und seinen Ausflügen berichtet und Lizenzen für den Nachbau verkauft: Kaufe 10 Lizenzen und erhalte eine elfte. Sein Patent erhält er nur für Baden, Nachbauten verbreiten sich weltweit. Das Laufrad wiegt 24kg, so viel wie ein heutiges schweres Fahrrad. Er stirbt 1851 in Karlsruhe völlig verarmt. [30][31]

  • Johnson erhält das britische Patent für die Draisine. [31][B121]


  • Da Gehwege besser ausgebaut sind, als die verfurchten Strassen, kommt es bald zu Konflikten zwischen Laufrad„fahrern“ und Fußgängern. Das Befahren von Gehwegen mit Draisinen wird im Mannheimer Schloßgarten 1822 verboten, Mailand 1818, New York und Kalkutta 1819. [31]



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  • Birch stellt in England Carls Draisine als Damen-Variante mit niedrigem Durchstieg her. [31]

  • Im englischen Ipswich finden erste Rennen mit Laufrädern statt. [104]



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  • Nachbauten von Carls Draisine sind schnell weit verbreitet, besonders in Frankreich. Er kann keine eigenen mehr verkaufen [30]. Insgesamt werden weniger als 100 Draisinen gebaut (1817-1819). [130]

  • In den U.S.A. und Großbritannien eröffnen „Reitschulen“, die den Umgang mit Draisinen lehren. [58]



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  • In München findet über 4,5km das erste Zweiradrennen in Deutschland statt. 26 Teilnehmer sind mit ihren Laufrädern dabei. [63][104]



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  • Der schottische Schmied Kirkpatrick Macmillan erfindet den Hinterradantrieb über ein Gestänge. Der Rahmen besteht aus Holz, das Vorderrad hat eine Größe von 30“, das Hinterrad 40“. Er fährt jahrelang die 14 Meilen zwischen Courthill und Dumfries. Dennoch vermarktet er seine 26kg schwere Konstruktion nicht. Die Idee bleibt außerhalb Schottlands unbekannt. [33][B016]
    Das ist (2020) umstritten. Es gibt Artikel, die es als Fälschung bezeichnen, bzw. von einem Verwandten nachträglich falsch datiert. [106]
    Macmillan ist entsetzt, als andere Erfinder eigene Modelle bauen. [526, S.95]



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Viktorianisches Zeitalter

  • Durch Industrialisierung und den Aufstieg des Empire hat sich in Großbritannien eine gehobene Mittel- und Oberschicht gebildet, die über relativ viel Freizeit verfügt. In der Folge entsteht dort der moderne Sportbegriff und die Grundlagen vieler moderner Sportarten werden geschaffen. Erstellung von standardisierten Regeln, Wettbewerbe unter gleichen, fairen Bedingungen sowie das Messen und Festhalten von Spielergebnissen und Rekorden zum objektiven Leistungsvergleich erschienen den Menschen in Mittelalter und Renaissance noch unbedeutend und setzen sich jetzt durch. [165]



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  • Ein Pedalantrieb mit den Füßen setzt sich bis 1860 als häufigste Konstruktion durch. Die Pedale sind aber noch nicht gelagert (→1863). Die Räder haben noch Holzspeichen. [34][58]



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  • Im englischen Blackheath wird der erste Hockeyverein gegründet. [35]



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  • In Preußen findet die letzte Hinrichtung mittels Rädern statt. [154] Rädern zählt zu den grausamsten Hinrichtungsformen, die im Mittelalter verhängt werden konnten, weil sie mit unermesslichen Schmerzen verbunden war: Dem Verurteilten wird ein schweres Wagenrad auf Arme und Beine gewuchtet, bis die Knochen in viele Stücke zerbrochen waren. Diese schon äußerst schmerzhafte Prozedur wurde fortgesetzt, indem die gebrochenen Gliedmaßen in die Speichen des Rades geflochten wurden. Schließlich wurde das Rad auf einen Pfahl gesteckt und der arme Sünder musste in dieser Stellung auf den Tod warten. Heute verstehen wir unter Radebrechen, dass jemand eine Sprache nur bruchstückhaft spricht. Der Ausspruch sich „wie gerädert fühlen“ kommt auch daher. [449]



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  • Der schottische Schmied Kirkpatrick Macmillan fährt mit seinem Fahrrad ein Kind an und muß 5 Schilling Strafe zahlen. [33]



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  • Der Amerikaner Charles Goodyear erhält das Patent für die Kautschuk-Vulkanisierung, Voraussetzung für Fahrradschläuche. [36]



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  • Der Schotte Robert William Thomson erfindet (Bandsäge, Füllfederhalter) den Luftreifen, um Kutschfahrten mehr Komfort zu verschaffen. Da der Schlauch aus mit Kautschuk vulkanisiertem Canvas-Gewebe mit einem umhüllenden Lederreifen auf die Felge genietet wurde, war ein Reifenwechsel sehr aufwendig und teuer. Damit kann sich die Idee zunächst nicht durchsetzen. [37]

  • Der britische Erfinder Thomas Hancock stellt den ersten Vollgummireifen für Pferdekutschen her. Der Reifen kann sich im Fahrzeugbereich zunächst nicht durchsetzen. [135]



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  • In Preußen wird im Straßen-Polizei-Reglement festgelegt, dass Personen ab dem 16ten Lebensjahr ein Fahrrad führen dürfen. (→1893) [38][121]

  • Franz Kurtz fährt mit seinem dreirädrigen „Tretomobil“ durch seine Heimatstadt Jülich. Er bewältigt auch weite Strecken. Das Dreirad hat eine gekröpfte Welle zwischen den Hinterrädern, die durch zwei Tretplatten in Bewegung versetzt werden. Die Erfindung wurde über seinen Heimatkreis hinaus nicht bekannt. Später wurde er als erster selbstständiger Fahrer betitelt. Das ist aber aus heutiger Sicht übertrieben, denn schon Jahre vor ihm gab es ähnliche Antriebe in England. [106] (→1867)



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  • Die Oper Le prophète wird in Paris uraufgeführt. Hier wird eine Eislaufszene mit Rollschuhen ausgeführt.[523]
    1850 und 1860 schwappt der Trend des Rollschuhlaufens aus den U.S.A. nach Europa und zeigt, dass das Balancieren auf Rädern möglich ist. [521, S.17]



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  • In England werden die Hockeyregeln „Rules of Harrow“ schriftlich festgehalten und veröffentlicht. [15]



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  • Der Franzose M. Davids (andere Quelle: M. Davis) erhält das Patent für ein Einrad. Allerdings hat es noch nicht viel Ähnlichkeit mit heutigen Einrädern: Es wird von zwei Personen gefahren, die rechts und links des übergroßen Rades sitzen, deren Schwerpunkte unter der Achse liegen. [39] Der französische Karosseriebauer nennt es Pédocaèdre und stellt es 1855 auf der Weltausstellung in Paris vor. [465] →2008 [B017]

  • Der Schweinfurter Orgelbauer Philipp Moritz Fischer fährt mit einer Draisine, um zu seinen Kunden zu kommen. Er baut die erste Laufmaschine mit Tretkurbelantrieb. Das ist heute nicht so bekannt, da er weder ein Patent eingereicht hat, noch diese Erfindung vermarktet hat. Der Magistrat der Stadt Schweinfurt hat das bestätigt. Das Original steht im Städtischen Museum Schweinfurt. [103][B018]

  • Bis 1870 ist Georges-Eugène Haussmann Stadtplaner in Paris. In dieser Zeit erhalten die Strassen von Paris glatte asphaltierte Strassenbeläge, auf denen die Velocipede besser fahren. Andere europäische Großstädte folgen. [522, S.17][523][524]



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  • Der Bandy-Club Sheffield United wird gegründet. [28]



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  • Die 1810 in Frankreich gegründete Firma Peugeot, die ab 1819 in ihrer Eisengießerei u.a. Korsettstäbe aus Stahlbändern fertigt, produziert in ihrem neuen Werk feine Stahlreifen für Damenkleider. Dieses Produkt verschafft der Firma die Technologie und Erfahrung zur späteren Herstellung dünner Speichen für ihre Fahrräder. [521, S.98][540]



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  • Der erste britische Polo-Club wird gegründet. Der Sport kam mit britischen Kavallerie-Offizieren von Indien nach Großbritannien [18]. Mit 274,32m x 182,88m hat es heute das größte Spielfeld aller Ballsportarten. [96, S. 61]



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  • Der Pariser Kutschenschmied Pierre Michaux erfindet den Kurbelantrieb am Vorderrad (Michauline) [40][B019]. Die Räder haben zunächst noch einen Rahmen aus Holz, bald aber aus Eisen. Der Sattel ist über eine Blattfeder aufgehängt. [58] Ein ähnlicher Entwurf wird in den U.S.A. 1866 von Pierres Ex-Mitarbeiter Pierre Lallement (1843-1891 vereinsamt) patentiert. [41]


  • Erste Kinderdreiräder. [31]