Die Geschichte vom Einrad, Einradhockey und RADLOS



-Der Mensch besiedelt die Welt
-Das Rad


  • Wasserfahrzeuge waren zum Überqueren von Meerengen, Flüssen und Seen, entlang von Küsten und zum Erreichen von Inseln erforderlich, aber auch für Fischfang in Binnengewässer und Meer. Nach den eigenen Füssen und Beinen gelten sie als die ersten Fortbewegungsmittel der Menschen. [252]
    Das hat alles nichts mit Einrad zutun, zeigt aber das menschliche Bestreben, sich fortzubewegen und sich mit Konstruktionen das Leben zu erleichtern. Voraussetzung für die Erfindung des Rades.



8 5 0. 0 0 0 v.Chr.

  • Homo erectus kommt auf die indonesische Insel Flores. Die mehrere Kilometer weite Überquerung der Lombokstraße gilt als erster erfolgreicher Einsatz von Wasserfahrzeugen über das Meer. [252]
    Archäologische Belege von Wasserfahrzeugen aus dieser Zeit gibt es nicht. Lediglich die Besiedelung der Insel ist belegt und die Überfahrt wird gemutmaßt, ist aber in der Fachwelt allgemeinhin unbestritten.



300.000 v.Chr.

bis

28.000 v.Chr.

  • Mit Knochen und Fossilien von etwa 300 Individuen in rund 70 Fundstellen und genetische Untersuchungen ist Homo neanderthalensis der am besten untersuchte Vor/Frühmensch.
    So wissen wir z.B., dass er rötliche Haare hatte und seine Ernährung aus über 80% Fleisch bestand. Er war ein erfolgreicher Jäger und reviertreu. Er hat kein nomadisches Leben geführt und ist nicht den Tierwanderungen gefolgt.
    In über 250.000 Jahren hat sich der Neandertaler in Europa und Vorderasien ausgebreitet. Zum Vergleich: Homo sapiens hat sich in nur 80.000 Jahren über die ganze Welt verbreitet. Sie teilten sich mehrere tausend Jahre den gleichen Lebensraum und hatten vereinzelt gemeinsame Nachkommen (bis über 2% der DNA aller heutigen Menschen, die nicht südlich der Sahara leben, stammen vom Neandertaler).
    Der Neandertaler hat kein Handel betrieben und nur wenige Dinge erfunden. Ihm wird der Kleber aus Birkenpech zugeschrieben und den Faustkeil hat er weiterentwickelt. Wogegen er den Speer, den bereits sein Vorfahre Homo heidelbergensis vor 400.000 Jahren als „Spieß“ nutzte, nicht signifikant verbesserte, obwohl er mit dem Wurfspeer des Homo sapiens konfrontiert wurde:
    Shanidar Nr. 3 (er lebte zwischen vor 45.000 und 50.000 Jahren im heutigen Nord-Irak) hatte eine Verletzung, die wahrscheinlich von einem geworfenem Speer eines Homo sapiens sapiens stammte. Er überlebte diese Verletzung noch zwei bis acht Wochen. Dennoch blieben die Neandertaler bei ihrer Lebensweise. [491 S. 30, 31, 216]
    Sie hatten keinen großen Besitz.
    Ob sie für die Erfindung des Rades die nötige Intelligenz hatten, können wir offen lassen. Sie hatten einfach keinen Bedarf an Rädern für Fortbewegung oder Transport.



4 5. 0 0 0 v.Chr.

  • Homo sapiens besiedelt Neuguinea, Australien und Melanesien. Dafür muß er ozeantaugliche Wasserfahrzeuge konstruiert haben, die er aus bereits vorher entwickelten Meeresfahrzeugen für den Fischfang baute. Er überwindet eine Entfernung von etwa 100km ohne Landsicht. Wahrscheinlich waren es Floße aus Bambus, als Antrieb werden Ruder, Staken im Flachwasser, Palmblattmatten als Windansatzstellen und längs schwimmende Begleiter vermutet. [252]



zwischen

1 3. 5 0 0 v.Chr.

und

1 0. 0 0 0 v.Chr.


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  • Wann genau die Feuersteins gelebt haben, ist nicht bekannt. Klar ist, dass es in der Steinzeit war. Diese beginnt vor 2,6 Millionen Jahren und endet in Mitteleuropa etwa um 2200 v.Chr. [484] Die Feuersteins besitzen einen Dinosaurier als Haustier, namens Dino und Fred arbeitet in einem Steinbruch mit langhalsigen Dinosauriern (Sauropoden). Die meisten dieser Arten sind vor rund 143 Millionen Jahren ausgestorben, die letzten vor 65 Millionen Jahren. Wenn wir mal von dem Expeditionsbericht von Sir Arthur Conan Doyle (The Lost World (1912)) absieht, in dem auf einem Südamerikanischen Plateau im Dschungel des Amazonas noch Dinosaurier überlebt haben,
    oder in dem Kinoklassiker „King Kong und die weiße Frau“ (1933) und den Neuverfilmungen in denen auf einer Insel noch Dinosaurier leben
    oder „Baby - das Geheimnis einer verlorenen Legende“ (1985) in dem Brontosaurier im Westafrikanischen Dschungel überlebt haben.
    Damit ist eine zeitliche Einordnung der Feuersteins anhand der Dinosaurier nicht möglich.
    In der Schlußsequenz der Zeichentrickserie sieht man einen Säbelzahntiger [485]. Diese lebten vor 15 Millionen Jahren und starben vor rund 12.000 Jahren in Nordamerika aus. In Europa und Afrika ähnliche Arten bereits früher. [486]
    Da die Feuersteins die amerikanische Mittelschicht karikiert, können wir davon ausgehen, dass sie auch in Amerika beheimatet waren. Die Besiedelung Amerikas erfolgte nicht früher als vor 15.500 Jahren (hierzu gibt es zahlreiche Theorien und Funde, die eine ältere Besiedelung belegen könnten) [487], können wir die Feuersteins doch recht gut zeitlich einsortieren: zwischen 13.500v.Chr. und 10.000v.Chr.
    Mit dieser zeitlichen Einordnung ist die kanadische Zeichnung die älteste Darstellung eines Einradhockeyspielers, aber deutlich jünger als die berühmten Höhlenmalereien von Lascaux in Frankreich und erklärt den gut erhaltenen Zustand.
    Damit ist das amerikanische Einrad aus Stein deutlich älter, als das Rad in Eurasien. Bemerkenswert, dass es sich in Amerika nicht lange etablieren konnte, denn den späteren amerikanischen Kulturen war das Rad unbekannt, während das Rad in Eurasien einer immer größeren Verbreitung und einer ständigen Weiterentwicklung unterlag. Wahrscheinlich weil den Feuersteins das Rad aus Holz nicht bekannt war, das Rad aus dem deutlich schwereren Stein eine gewisse Trägheit aufweist und damit nicht sehr wendig war.
    Wer im Einradhockey-Team von Fred spielte, ist nicht überliefert. Die sehr häufig gemeinsam gestalteten Freizeitaktivitäten lassen vermuten, dass Barney Geröllheimer mit im Team war. Viele dieser Aktivitäten genießen die beiden aber ohne ihre Frauen, so dass es Zweifel gibt, ob eine Teamzugehörigkeit von Wilma Feuerstein und Betty Geröllheimer wahrscheinlich ist.
    Aber das ist eine reine Spekulation.



9tes Jahrtausend v.Chr.

  • Mit Flößen werden die landfernen Mittelmeerinseln Kreta, Malta und Zypern besiedelt. [252]



8tes Jahrtausend v.Chr.

  • Eine iranische Höhlenmalerei in der Höhle Doushe in Lorestan zeigt einen Reiter auf einem Pferd. Knochenfunde können eine Domestikation von Pferden in dieser Zeit (noch) nicht bestätigen. [251][B003]



6. 0 0 0 v.Chr.

  • Mit der Erfindung der Axt ist der Bau von Einbäumen möglich, die nun in Mitteleuropa nachzuweisen sind. [252]



6tes Jahrtausend v.Chr.

  • Aus Mesopotamien ist erstmals gebrannter Ton nachweisbar. Prähistorische Modelle von Töpferscheiben in der Nähe von Kirkuk (heute Irak). Das drehbar befestigte Rad als Töpferscheibe gilt als das erste Rad. [237]



5tes Jahrtausend v.Chr.

  • Töpfer am Indus nutzen die Töpferscheibe bei der Keramikherstellung. [6]



4 0 0 0 v.Chr.

  • Nördlich des Schwarzen Meeres findet man Miniaturräder aus Ton. [6]



3 6 0 0 v.Chr.

  • In Tonscherben aus der Botai-Kultur in Zentralasien findet man 2009 Reste von vergorener Stutenmilch. Es gilt als ältester archäologischer Beweis der Domestikation von Pferden. In der gleichen Kultur finden sich Pferche und an Pferdezähnen Abnutzungsspuren von Knochen- und Haartrensen (Teile des Zaumzeugs). [254]



Mitte des 4ten Jahrtausend v.Chr.

  • Bei Flintbek in Norddeutschland findet man Fahrspuren in einem Hünenbett. Ein indirekter Nachweis der Nutzung von Rädern. [6]



3 4 0 0 v.Chr.

  • Die Kultur der Indogermanen ist archäologisch nicht belegt. Sie wird ausschließlich aus der Sprachenforschung rekonstruiert. Viele europäische Sprachen gehen auf eine gemeinsame Ur-Sprache zurück, wie sich aus Ähnlichkeiten bestimmter Worte herleiten läßt. Daraus läßt sich diese Kultur sowohl (grob) geographisch, als auch zeitlich einordnen. Für diese Theorie ist entscheidend, dass Wörter, die sich ähnlich sind (z.B. father/Vater, brother/Bruder, house/Haus), aus dieser Ur-Sprache entstanden sein sollen, Wörter, die sich nicht ähnlich sind, danach entstanden sein müssen.
    Z.B. läßt sich das Wort Birke aus dem Indogermanischen herleiten. Da die Birke aber in trockenen Gebieten unbekannt ist, muß sich der indogermanische Ursprung in eher sumpfigen Regionen befinden. Haus und Tür sprechen für eine nicht nomadische Lebensweise.
    Das Wort Pflug macht deutlich, dass die zeitliche Einordnung nach der Erfindung des Ackerbaus einzustufen ist, aber vor der Erfindung des Rades, da die Ursprünge der Wörter Achse und Rad zu der indogermanischen Ur-Sprache gehören.
    Bisher wird der Ursprung der indogermanischen Kultur in die Region der Steppen nordöstlich des Schwarzen Meeres angenommen.
    Diese Kultur muß etwas nach 3400 v.Chr. schon das Rad gekannt haben. Selbst erfunden oder über Handelswege eingeführt. [483]



2te Hälfte des 4ten Jahrtausend v. Chr.

  • Über ganz Europa verstreut findet man Wagenmodelle. [6]

  • Funde von Scheibenrädern. Durchmesser 40 - 80cm mit fester, loser oder ohne Nabenbuchse oder feste Achse (wie z.B. beim heutigen Einrad) und quadratischen Achslöchern in Mesopotamien, Alpenvorland, Moor, Kaukasus. [6]

  • Im Bereich der nordeuropäischen Trichterbecherkultur wird der Ochsenkarren entwickelt. Dabei wird der zweirädrige Karren der nördlichen Gruppe zugeschrieben, der Vierrädrige der östlichen Gruppe. Das zweirädrige Modell scheint gegenüber dem vierrädrigen Modell bevorzugt zu werden. Von der östlichen Gruppe verbreitet sich der Wagen über Handelswege an der Donau entlang zu verschiedenen Kulturen. Die Räder drehen sich auf fest mit dem Wagen verbundenen Achsen.
    An den Alpen entwickelt sich die Konstruktion mit drehender Welle, eine regional genutzte Spezialisierung. Zunächst nur als Tonmodell.
    Noch in Zentraleuropa verfeinert sich die Konstruktion der Räder vom Vollrad zum zweigeteilten Rad, bis zum Rad aus drei Teilen.
    In der Schwarzmeerregion wird der Radbau mit Streben weiterentwickelt und gelangt so nach Mesopotamien.
    Mit den Karren wird die Reichweite und Kapazität von Handelsware erhöht. Viele Kulturen, Clans, und Dörfer profitieren so davon, dass andere die Idee schnell aufgreifen. Die wirtschaftliche Stärke verschiedener Kulturen scheint auf der Nutzung von Wagen zu beruhen.
    Das alles geschieht in weniger als 200 Jahren.
    Dabei scheint jede Kultur mit ihrem Wissen an der Weiterentwicklung beteiligt zu sein. [482] Kutschen im Sinne von Personentransporte sind noch nicht bekannt. Aber nun kann das ganze Hab und Gut mitgenommen werden, wenn eine Gemeinschaft weiterzieht und ermöglicht so "Völkerwanderungen", wie die der Ambronen, Kimbern und Teutonen 120v.Chr. von Norddeutschland und Dänemark nach Norditalien, Südfrankreich und Spanien; die klassische Völkerwanderung im vierten bis sechsten Jahrhundert bis zu den Siedlertreks des Wilden Westens.

    Die Kanten der Laufflächen sind schnell gesplittert. Es wurde experimentiert, die Laufflächen mit umwickeltem Leder zu schützen.
    Wurden Wagen einige Zeit nicht genutzt, so wurden die Räder abgenommen und gewässert, um das reißen des Holzes zu verhindern, wenn es austrocknet. So kam es dann wohl auch dazu, dass wir heute die Räder von Glum (→1750v.Chr.) besichtigen können, nachdem sie in einem Teich vergessen wurden.

    Schnell war klar, dass größere Räder mehr Komfort bedeuten, die kommen besser über Wurzeln und Steine, bedeuten aber mehr Gewicht und waren aufwendiger in der Herstellung. So haben sich die Räder auf eine Größe von 60-80cm im Durchmesser eingependelt.
    Bevor die Speiche aufkam wurden Räder in Mitteleuropa verbreitet ausgekehlt um größere Durchmesser möglich zu machen. Mit den Speichen waren dann größere Räder möglich und damit eine bessere Geländegängigkeit.

    Bisher kaum ausgebaute Wege und eine höhere Geschwindigkeit haben die Ansprüche an die Stabilität der Wagenkästen erhöht, als auch Pferde eingespannt wurden. Das betrifft auch die Räder!










3 4 0 0 - 3 2 0 0 v.Chr.

  • In Süd-Polen wurde eine Schale der Trichterbecher-Kultur gefunden. Auf ihr befinden sich die ältesten bekannten (stilisierten) Abbildungen von Wagen mit Rädern. [6][482][B110]



3 3 6 0 - 3 0 3 0 v.Chr.

  • In Slowenien wurde die älteste gut datierbare Rad-Achsen-Kombination gefunden: Rad (3340-3030[6])(3328-3116[510]), Achse (3360-3045).[6]
    Das Rad ist feuergehärtet.[510]



3 0 0 0 v.Chr.

  • Aus zwei hölzernen Teilen ist das Rad aus dem Federsee-Moor bei Tübingen. [6]



3tes Jahrtausend v.Chr.

  • Töpfer im Alten Ägypten nutzen die Töpferscheibe bei der Keramikherstellung. Hier wird wahrscheinlich der Fußantrieb erfunden [238]. Damit dürfte es der erste Antrieb mit Übersetzung auf ein Rad sein.



2600 / 2500 v.Chr.

  • Auf der „Kriegsseite“ der so genannten Standarte von Ur sind u.a. fünf vierrädrige Streitwagen dargestellt, die von Eseln gezogen werden. Ein Wagen wird geführt, auf den anderen vier befindet sich jeweils ein Wagenlenker und ein Krieger, bewaffnet mit Speeren und Streitaxt die über den Feind hinweg galoppieren.
    Gefunden im Grab Nr. 779 in den Königsgräbern von Ur, im heutigen Irak. Da das Grab teilweise zerstört ist, kann es niemandem (und auch zeitlich nicht) zuverlässig zugeordnet werden. Auch die Nutzung als Standarte ist umstritten, sie ist aber in der Fachwelt unter dieser Bezeichnung bekannt.
    Der rechteckige Kasten (unten 20x47x11, oben 20x47x5,5 cm) hat weder Boden noch Deckel. Die Intarsien sind aus Lapislazuli, Muscheln und rotem Kalkstein. Die Wagenräder sind zweigeteilte Vollräder. Die Streitwagen gleichen denen in Intarsien in Mari, Nippur, Kiš (alle im heutigen Irak), auf einem Siegel in Grab 1236 und auf einer Reliefplatte in Ur. [490, S. 221, 236, 237][B113]